Die Atmung

Der Atem ist die Quelle unseres Lebens. Sein Fließen ist die Voraussetzung für jegliche Stimmgebung, für die sprechende wie für die singende Stimme. Singen und Sprechen sind hörbares Ausatmen.

„Ich kann ja eh atmen!“, „Das kann ja jeder!“, „Das ist ja nicht schwer!“ .. schnell hört man solche Antworten von Kindern weil es ja unbewusst geschieht. Aber im Laufe einer Gesangsausbildung müssen wir eben zuerst lernen bewusst zu atmen, um eine gesunde Atemtechnik zu erlernen bis wir sie dann wiederum unbewusst einsetzen. Sonst artet das Einatmen dann gerne in geräuschvolles „Einschaufen“ aus, in ein Zuviel-an-Luft-Holen; die Schultern heben sich krampfhaft in die Höhe, der Kopf weicht nach hinten aus und beengt dadurch die oberen Halswirbel und so weiter. Als Ergebnis ist dann oft verhauchtes Singen, Liedphrasen werden durch hastiges Nachatmen zerstückelt und die meist ungenützte Übermenge lässt die Stimme mehr aushauchen als klingend tönen.

Die folgenden Atemübungen sollen eher AtemSPIELE sein, um sie auch alleine zu Hause durchführen zu können! Sie bauen den Kindern die Brücke, den Weg zum eigenen Körper zu finden, zum Körper als dem Gesamtinstrument „Stimme“.

Seifenblasen, Luftballons, leichte Papierbälle, bunte Chiffontücher oder eben einfach nur ein Blatt WC-Papier, das zur Zeit jeder in rauen Mengen zu Hause hat 😉 .. dies alles sind einfache Hilfsmittel um derartige Atemspiele zu Hause alleine, mit Geschwistern oder mit Mama/Papa zu spielen – eine gesunde Atemführung ist ja nicht nur für Gesangsschüler von Vorteil!

Ü B U N G   1 

Ich beschreibe dich Übungen im Idealfall mit Seifenblasen, weil sich diese natürlich am langsamsten bewegen .. klappt  aber auch mit Chiffontüchern oder eben einem einlagigen Blatt WC-Papier.

Seifenblasen beobachten und die herabschwebenden Bällchen jeweils mit einem stimmlosen  zarten , leisen Atemstrom: sss…, ein nächstes Mal mit einem „schsch…“, dann eine Mischung von beiden: ssschsssschssschsssch.. begleiten. Der Atem fließt gleichmäßig, ohne Druck auf den Kehlkopf auszuüben.

Ü B U N G  2

Das Schweben der „Bällchen“ wird diesmal nur gespannt beobachtet, dafür begleiten die Kinder nun das Aufkommen und Zerplatzen am Boden mit stimmlosen, kurzen, gestoßenen Explosivlauten: phh.. thh.. khh.. b.. etc.

Ü B U N G  3

Wir benutzen diesmal einen Strohhalm für eine sehr feine, behutsame Atemübung. Nicht Einsaugen, sondern Hindurchschicken des Atems ist diesmal gefragt. Die Atemführung wird dabei stark zentriert und der sonst viel breitere Atomstrom gebündelt und verdichtet.

2 Kinder (oder Kind und Mama/Papa) stehen einander gegenüber. Partner B schließt die Augen und hält seine nach außen geöffnete Handfläche dem Partner gegenüber. Partner A bläst nun mit seinem Trinkhalm ein beliebiges Muster (zB. einen Kreis, ein Herz, ein Quadrat oder jede andere beliebige From) auf die Handfläche seines Gegenübers, nach Möglichkeit in einem einzigen langen Ausatemzug. Partner B verfolgt währenddessen mit seinem Spürsinn den Verlauf dieses Musters. Danach öffnet er/sie die Augen und zeigt seinem Partner auf seiner Handfläche den Weg, den er wahrgenommen hat. Danach tauschen die Partner ihre Rollen.

Ü B U N G  4

Eine Feder, ein Luftballon, Taschentuch, ein leichter Papierball oder ähnliches liegt auf der Handfläche des Kindes und wird auf eine kurze „Luftreise“ losgeschickt – die Lippen formen einen kleinen, runden „Kussmund“ und durch einen leichten Zwerchfellstoß pusten wir dieses Objekt davon.

  • Ein andermal nur eine ganz kleine Wegstrecke auf der Handfläche (durch ein ein leises gehauchtes „phh.., thh.. oder khh..“) – so sparsam, dass die „Feder“ gerade noch auf der Handfläche bleibt.
  • Wieder ein anderes Mal mit kräftigem Blasen die „Feder“ hinauf auf eine längere Luftreise schicken, dann der Feder nachlauf, sie rechtzeitig einholen, solange sie noch schwebt, und sie von neuem kräftig nach oben blasen.
Ü B U N G  5

Auf dem Rücken liegend halten wir das Objekt (Feder, Luftballon, Taschentuch) dicht über den Mund und schicken es nun mit kräftigem Ausatemstoß hinauf in den Raum. Wenn wir gut gezielt haben, können wir das Objekt vielleicht auch wieder auffangen, ohne unsere bequeme Rückenlage verlassen zu müssen.

Ü B U N G  6

Ein leichter Papierball liegt am Boden. Die Kinder versuchen nun in der Hocke bzw. in der Bauchlage den Ball stückweise wegzupusten (Vorsicht – Hustengefahr!).

  • Auf lustige Weise (und sparsamer im Atem) geht das auch mit gut artikulierter Sprache (Zwerchfell!). Schauen wir wie weit sich der Papierball wegbewegt wenn wir mit starken Mitlauten „ P a – p i e r – b a l l “ sagen.
  • Funktioniert natürlich auch mit einem „ T a – s c h e n – t u c h “
  • Oder dem berühmten „ K l o – p a – p i e r “ 🤣

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